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Ich habe keine Angst (2003) 
Originaltitel: Io non ho paura
Regie: Gabriele Salvatores
Buch: Niccolò Ammaniti, Niccolò Ammaniti
   
Ø-Wertung 8/10
Kritik von Kerstin (21.09.04)
Der zehnjährige Michele findet beim Spielen einen kleinen Jungen, der in einer Erdhöhle versteckt gehalten wird. Je mehr er über dieses seltsame Geheimnis herausfindet, desto mehr wird er verstrickt in eine Geschichte, die ihn immer mehr persönlich betrifft.

Die Handlung spielt im Süden Italiens im Jahre 1978. Die Familie von Michele wohnt in einem kleinen Ort in der Basilicata. Hier gibt es nicht viel außer Weizenfeldern und der unglaublichen Hitze jenes Sommers. Die Geschehnisse werden aus der Sicht des Jungen erzählt, allerdings ohne einen Off-Sprecher oder ähnliches. Es ist einfach die Welt, wie er sie sieht. Dabei ist es kein Kinderfilm im üblichen Sinne, obwohl die Kinder hier die Hauptdarsteller sind. Schon am Anfang des Films wird einem bewusst gemacht, dass Kinder sehr grausam sein können. Für einen Kinderfilm ist er eben nicht verspielt genug, geschweige denn kitschig oder albern. Nein, im Gegenteil, selten habe ich einen Film gesehen, der mich so berührt hat. Michele wird mit den Abgründen seiner eigenen Familie konfrontiert. Dabei ist er mutig, geradezu furchtlos, obwohl die zarte Bindung, die sich zwischen den beiden Jungen entspinnt, im Konflikt mit dem Wohl seiner Eltern und seiner kleinen Schwester steht. Noch dazu sind die Aufnahmen unglaublich: goldgelbe Weizenfelder so weit das Auge reicht, blauer Himmel, immer untermalt von der zurückhaltenden Musik eines Geigenquartetts, die im richtigen Moment anschwillt, um die gezeigten Gefühle zu vertiefen. Es ist ein schwermütiger Film, über das viel zu frühe Ende einer Kindheit und den Unterschied zwischen der Welt der Erwachsenen und der Sicht der Kinder.

Im wesentlichen handelt es sich um weitgehend unbekannte Schauspieler, das ist aber kein Zeichen für schlechte Qualität, sondern wirkt sich bei den Kindern geradezu erfrischend aus. Sie spielen ihre erwachsenen Kollegen mühelos an die Wand. Einzig Aitana Sánchez-Gijón dürfte den meisten aus „Dem Himmel so nah“ bekannt sein, wo sie neben Keanu Reeves die weibliche Hauptrolle spielte.

Die Extras auf der DVD gewähren einen Einblick über die Entstehungsgeschichte des Buches sowie des Films. Wundervoll sind die Auszüge einer Literarischen Lesung des Autors Gabriele Salvatores. Hier kommen der Ausdruck und die wundervolle Melodie der Worte erst so richtig zur Geltung, auch weil die Lesung von einem Mini-Orchester begleitet wird. Es wird sehr schnell klar, dass das Buch noch um einiges beindruckender ist als der Film. Auch der Komponist Ezio Bosso kommt zu Wort und erklärt seine Musik. Er wollte die Akustik der Bilder mit der Ausdruckskraft der Musik vereinen und das ist ihm gelungen. Seine Kompositionen verschmelzen geradezu mit der Handlung. Im Grunde redet der Regisseur zu viel, es wiederholt sich in den einzelnen Kapiteln einiges, aber dennoch sind alle Kapitel empfehlenswert. Einfach deshalb, weil der Regisseur und auch der Autor, die Schauspieler und Produzenten in ihren Worten hervorragend ausdrücken, was sie zu diesem Film und dieser Geschichte bewogen hat. Man fühlt sich dem Ganzen gleich noch ein wenig näher. Die Extras sind größtenteils in italienisch mit deutschem Untertitel. Diese Sprache hat eine so wundervolle Melodie, es lohnt sich, auch einmal den Film im Original zu schauen. Auch wenn man kaum ein Wort versteht, wird doch der Sinn überdeutlich. Und man muß einmal einen typischen italienischen Machovater in seiner Muttersprache schimpfen gehört haben!


Note: 10/10
Darsteller:
Giuseppe Cristiano Michele
Mattia Di Pierro Filippo
Adriana Conserva Barbara
Fabio Tetta Teschio
Giulia Matturo Maria
Stefano Biase Salvatore
Fabio Antonacci Remo
Aitana Sánchez-Gijón Anna
Dino Abbrescia Pino
Giorgio Careccia Felice
Antonella Stefanucci Assunta
Riccardo Zinna Pietro
Michele Vasca Candela
Susi Sánchez Filippo's mother (as Susy Sánchez)
Diego Abatantuono Sergio
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