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Mystic River (2003) 
Regie: Clint Eastwood
Buch: Dennis Lehane, Brian Helgeland
   
Ø-Wertung 8/10
Kritik von John (02.07.04)
Tim Robbins for President!

Mystic River ist ein Drama über drei Männer, die ein gemeinsames negatives Kindheitserlebnis wieder einholt.

Das daraus auch ein Kriminalfilm um einen Mord geworden ist, sollte dem ganzen sicherlich ein wenig mehr Spannung geben. (Natürlich auch der Romanvorlage) Gerade mit dem Hintergrund eines Kriminalfilms könnte es auch spannender sein, doch Clint Eastwood nimmt sich außerordentlich viel Zeit für die Hauptcharaktere und das ist die Stärke dieses Films. Das Drehbuch ist bis hin zu Nebenzitaten („Es ist wie bei Vampiren, wenn Du es einmal in Dir hast, wirst Du es nicht wieder los“) emotional und so genial auf die Hauptcharaktere abgestimmt. Man möchte viel mehr über die drei Männer erfahren. Was sie seit der Kindheit gemacht haben, ihr Umfeld, ihre Beziehungen. Alles wird nur angeschnitten. Die Charaktere und ihre Schauspieler sind so gut, man hätte sie nur ihre Rollen, ohne Einbettung in die eigentliche Dramaturgie des Films, weiterspielen lassen können. Doch sogar die Herleitung des Kriminalfalls kann sich mit den besten Kriminalfilmen der letzten Jahre messen (gleicher Drehbuchautor wie bei L.A. Confidential). Ein Film über Rache, Loyalität, Freundschaft, Familie, Selbstjustiz, Liebe, traumatischer Kindheitsverarbeitung und problematischen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Die Konzentrierung auf diese Felder lässt einfach keine typischen Hollywood-Witzeleien zu und sie kommen auch in Mystic River nicht vor. Eine Szene, in der der Inhaber eines Alkoholshops einen Überfall auf seinen Laden beschreibt und für ihn „der Schreck so groß war, als müsste er ein Glas Milch trinken“ ist nicht nur genial, sondern zugleich die einzige Szene dieser Art im Film. Clint Eastwood hat es (sogar mit seiner selbstkomponierten Filmmusik, die sich immer aus der gleichen monotonen und sich wiederholenden Melodie zusammensetzt) geschafft, das der Film nie wirklich langweilig wird. Das macht die verstörende Atmosphäre, die der Film schafft. Denn es ist eine mysteriöse Atmosphäre ohne mysteriöse Geschichte. Die Bilder und die Geschichte sind detailgetreu und nicht vollgestopft, um zwanghaft zu unterhalten.

Spätestens nach dem Film Magnolia plädiere ich schon für einen Ensemble Oscar. Ok, es ist offensichtlich, dass bei „Mystic River“ die Schauspieler gut waren, da neben der Nominierung von Marcia Gay Harden (unglaublich, dass sie kaum Auszeichnungen für ihre Rolle als Frau von Tim Robbins Charakter gewann), Tim Robbins und Sean Penn einen Oscar auch tatsächlich bekamen. Doch diese Art von Preisverleihungen werden immer mehr zur Farce. Welche Begründung existiert, dass Sean Penn eine Hauptrolle hatte und Tim Robbins eine Nebenrolle? Vielleicht, weil er zuerst im Alphabet kommt? Schon bei der Nominierung von Haley Joel Osment zum besten Nebendarsteller in „The sixth sense“ hat das kein Filmkritiker mehr verstanden.

Wie auch immer, „Mystic River“ ist emotional aber nicht moralisch. Es wird gar nicht versucht, den Zuschauern eine Meinung aufzuzwingen. Es wird nur dargestellt. Das hat mir auch schon bei „Training Day“ gefallen. Ich denke, es ist falsch, Drehbücher zu kritisieren, weil sie keine Lösungen für Probleme bieten. Dafür sind die Zuschauer da. Dafür sind es Kinofilme und keine Dokumentarfilme. Die Zuschauer wollen unterhalten werden, auch wenn es Dramen sind. Ich zumindest möchte nicht von Hollywood belehrt werden. Es muss mehr über Themen diskutiert werden. Dafür tritt auch Tim Robbins politisch im wirklichen Leben ein. Auch er wird immer wieder dafür kritisiert.

Also Film anschauen und (danach!) miteinander reden!



Note: 10/10
Darsteller:
Sean Penn Jimmy Markum
Tim Robbins Dave Boyle
Kevin Bacon Sean Devine
Laurence Fishburne Sargeant Whitey Powers
Marcia Gay Harden Celeste Boyle
Laura Linney Annabeth Markum
Kevin Chapman Val Savage
Tom Guiry Brendan Harris (as Thomas Guiry)
Emmy Rossum Katie Markum
Spencer Treat Clark Silent Ray Harris
Andrew Mackin John O'Shea
Adam Nelson Nick Savage
Robert Wahlberg Kevin Savage
Jenny O'Hara Esther Harris
John Doman Driver
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